100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Der Blick ins Ausland

Im Zuge der Waffenstillstandsverhandlungen musste die deutsche Übergangsregierung dem Rückzug der eigenen Truppen hinter die Rheinlinie zustimmen. Im Gegenzug besetzten nun die Truppen der Siegermächte linksrheinische Gebiete und die rechtsrheinischen Brückenköpfe um Köln, Koblenz und Mainz. Aber nicht nur in Deutschland halten militärische Spannungen an. Auf der Krim, in Polen, in Irland und der Mandschurei stehen sich die Großmächte gegenüber.

Abzug französischer Truppen aus Trier (1930)

Letzte Nachrichten.

Der Beginn des französischen Rückzugs.

Berlin, 19. April. Laut „Vossischer Zeitung“ vermehren sich die Anzeichen dafür, daß mit dem Abmarsch der über die verabredete Zahl hinaus im Ruhrgebiet befindlichen deutschen Truppen auch die französischen Truppen den neuen Brückenkopf Mainz räumen. Es haben bereits französische Truppenteile die neutrale Zone östlich Frankfurts verlassen.

Wieder eine Verschwörung aufgedeckt.

Berlin, 19. April. Die hiesige bayerische Gesandtschaft teilt mit: In letzter Zeit haben sich Anhaltspunkte ergeben, daß in der Festungsanstalt Niederschönfeld zum Umsturz der Regierung und Einführung der Räterepublik ein anscheinend weit verzweigtes Hochverratskomplott geplant ist. Das im einzelnen festgelegte Unternehmen sollte nach Entwaffnung der Einwohnerwehr geschehen. Eine Durchsuchung bei den Gefangenen hat diesen Verdacht bestätigt.

Die Streitgefahr in Oberschlesien.

Breslau, 19. April. In der Streitangelegenheit sind heute die Entscheidungen gefallen. Morgen werden die Berg- und Hüttenarbeiter in den Streik treten. Die kaufmännischen Angestellten werden Dienstag die Arbeit niederlegen. Die Franzosen drohten den Eisenbahnern, falls diese den betrieb einstellten, die Grenzen zu öffnen und die polnischen Truppen hereinzulassen. Tatsächlich stehen starke Truppenmassen längs der Grenze von Galizien bis Polen. Die polnische Berufsvereinigung steht geschlossen hinter den deutschen Arbeitern. Der französische Kommandant hat die Offiziere, die sich an den Ausschreitungen beteiligt haben, angewiesen, sich zu entschuldigen. Den Verwundeten sind Schmerzensgelder in Höhe von 1000-3000 M angeboten.

Breslau, 18. April. Der für morgen, den 19. April, beabsichtigte Streit der Berg- und Hüttenbeamten ist, da eine Einigung zwischen den Gruben und Hütten einerseits und den Angestellten andererseits zustande gekommen ist, vermieden.

Die Lage in Irland.

Amsterdam, 18. April. „Evening Standard“ berichtet, daß French seinen Posten als Vizekönig von Irland niedergelegt hat.

London, 18. April. Ein heute abend veröffentlichtes Telegramm besagt, daß eine Kavalleriebrigade nach Irland abgeht.

Englisch-russische Friedensverhandlungen.

Paris, 19. April. Der „Temps“ meldet, daß die russische Sowjetregierung von der britischen Regierung aufgefordert worden sei, einen Waffenstillstand anzubahnen, der auch die Amnestie für die in der Krim noch kämpfenden freiwilligen Truppen enthalten müßte. Wenn die Bolschewisten sich weitern sollten, hierauf einzugehen, so stehe blutiger Kampf bevor.

Kämpfe zwischen den Giebeln.

Paris, 18. April. Nach einer Meldung der „Chicago Tribune“ aus Peking haben in der Mandschurei heftige Kämpfe zwischen chinesischen und japanischen Truppen stattgefunden.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 19.04.20

In: https://zs.thulb.uni-je-na.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273564/JVB_19200419_092_167758667_B1_003.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00370985

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Alliierte_Rheinlandbesetzung#/media/Datei:Bundesarchiv_Bild_102-09919,_Französische_Truppen_räumen_Trier.jpg