100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Die Landesgründung steht an

Die Gründung des Landes Thüringen tritt morgen in Kraft. Das Jenaer Volksblatt berichtet ein weiteres Mal über die Sitzung des Volksrates und die bevorstehenden Reichstagswahlen. Auch aus Gotha, dass nach einer Reichsexekution von einem Reichskommissar regiert wird, sorgen die Unabhängigen für neuen Ärger.

Das ehemalige Landtagsgebäude in Weimar

Landtagswahl in Thüringen am 20. Juni.

Volksrat für Thüringen.

Weimar, 30. April. Nach einer längeren Pause trat gestern nachmittag der Volksrat von Thüringen zusammen, um den Verfassungsentwurf und den Entwurf für das Wahlgesetz zu beraten. Nach Beantwortung einiger Anfragen erhielt Staatsminister Dr. Paulsen das Wort, der seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß der Zusammenschluß der thüringischen Staaten durch die Genehmigung des Reiches herbeigeführt ist. Hierauf wurde über die Frage entscheiden, ob eine Zusammenlegung der Wahl für den Landtag mit der Wahl zum Reichstage möglich ist. Nach längerer Aussprache wurde als Termin für die Landtagswahl der 20. Juni festgesetzt. Dagegen stimmten die Demokraten, die eine Zusammenlegung beider Wahlen aus Sparsamkeitsrücksichten für nötig hielten. In längeren Ausführungen begründeten Staatsminister Dr. Paulsen und Abg. Professor Dr. Rosenthal den Entwurf des neuen Landtagswahlgesetztes. Die Fraktionen erklärten sich im großen und ganzen mit dem Entwurf einverstanden, behielten sich aber Abänderungsanträge in der Ausschußsitzung vor. Heute vormittag nimmt die Sitzung ihren Fortgang.

Die Unabhängigkeiten in Gotha gegen die Reichsregierung.

Gotha, 30. April. Obwohl Reichskommissar Holle die Landesversammlung für aufgelöst erklärte, berief der Präsident am 28. April die zehn unabhängigen Abgeordneten zu einer Sitzung zusammen. Da die Abgeordneten durch Polizei am Betreten des Sitzungssaales verhindert wurden, sagten sie im Residenzschloß, wo sie die Maßnahmen des Reichskommissars für ungesetzlich erklärten und die Anrufung des Staatsgerichtshofes, sowie des Staatsrates und Volksrates von Thüringen beschlossen haben.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 30.4.1920

In: https://zs.thulb.uni-je-na.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273574/JVB_19200430_102_167758667_B1_001.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00370995

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Th%C3%BCringer_Landtag_(Weimarer_Republik)#/media/Datei:Hochschule_f%C3%BCr_Musik_Franz_Liszt_Weimar.jpg