100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Zwei kommunistische Parteien für Deutschland

Im Jahr 1920 kommt es vor dem Hintergrund des Kapp-Putsches zur Gründung der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD) durch Mitglieder des linken Flügels der dato schon bestehenden Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Sie existierte bis 1933 und vertrat als Teil der 3. Internationale rätekommunistische und auch antiparlamentarische Positionen.

Logo der 3. Internationale

Wahlbeteiligung der Kommunisten.

 

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung und zur preußischen Landesversammlung haben sich im Januar 1919 die Kommunisten nicht beteiligt, wenigstens nicht offiziell. Diese Selbstausschaltung ist schon damals von kommunistischen Führern verurteilt wurde. Jetzt hat nach der „Freiheit“ die Bezirkskonferenz der Kommunisten für Mecklenburg einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „Die Bezirkskonferenz hält die Teilnahme der „K.P.D. an den Wahlen zum Reichstag für geboten und empfiehlt dem Parteitag, die Wahlbeteiligung zu beschließen.“

Übrigens hat sich zu Ostern neben der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) eine zweite Kommunistische Partei gebildet, die Kommunistische Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD). Diese neue Partei erklärt in der „Freiheit“:

 

„Nachdem die Zentrale des Spartakusbundes durch das Eintreten für Parlamentarismus, Gewerkschaften und gesetzliche Betriebsräte mehr und mehr ins reformistische Fahrwasser gelangt war, wurde die Mehrheit der Mitglieder zur schärfsten Opposition gegen diese Zentrale veranlaßt. Da die Zentrale des Spartakusbundes die oppositionellen Bezirke aus der Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund) ausgeschlossen hat, sah sich die Opposition zur Konstituierung der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands veranlaßt. Die KAPD steht auf dem Boden der 3. Internationale.“

 

Die „Freiheit“ bemerkt dazu: „Wir haben also jetzt mit dem Bestehen zweier kommunistischer Parteien in Deutschlands zu rechnen, von denen beide erklären, daß sie auf dem Boden der dritten Internationale stehen. In der alten kommunistischen Partei ist insofern eine Klärung eingetreten, als sie zu ihrer Theorie und Praxis mehr als bisher den Grundauffassungen des Marxismus Rechnung trägt und sich tatsächlich mehr und mehr dem Standpunkt der K.P.D genähert hat. Die Opposition begegnet, die sich jetzt zu einer selbstständigen Partei zusammengeschlossen hat, ist in starkem Maße beherrscht von syndikalistischen Ideen und neigt mehr und mehr einer Praxis zu, die in der Zerstörung der Gewerkschaften und der Propaganda des Antiparlamentarismus ihre Hauptaufgabe sieht. Nach der Bildung einer eigenen Partei dürften diese Tendenzen in der kommunistischen Oppositionspartei (deren Kern übrigens von der Berliner und Hamburger Organisation gebildet wird) noch stärker als bisher zum Ausdruck kommen.“

Quelle:

 

Jenaer Volksblatt vom 10.4.20

 

In:https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273557/JVB_19200410_085_167758667_B1_002.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00370978

 

Bild:

 

https://en.wikipedia.org/wiki/International_Communist_Current#/media/File:Worker.jpg