100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Deutschland muss abrüsten, aber nicht so…

Eine Munitionslagerstätte in Jüterbog, die Feuer fing, bedrohte zeitweise die angrenzenden Dörfer, da das Feuer eine Zeit lang wütete und andere Munitionsdepots in Brand steckte, die alle explodierten. Die Feuerwehr konnte jedoch schlimmeres verhindern, Personenschäden waren keine zu beklagen.

Der ehemalige Militärbahnhof in Jüterbog

Munitionsexplosion in Jüterbog – 20 Schuppen in die Luft geflogen

Montag Nachmittag entstand in dem Artillerie-Depot des alten Lagers auf dem Truppen-Übungsplatz in Jüterbog in einem Schuppen eine große Explosion. Das dadurch ausgekommene Feuer sprang auf andere Anlagen über, sodass schließlich 20 Lagerschuppen davon ergriffen wurden. Diese 20 Schuppen sind in die Luft geflogen, weil die darin untergebrachte Munition aller Kaliber explodierte. Personen sind glücklicherweise nicht verletzt worden, da die erste Explosion gerade beim Schichtwechsel entstand, zu einer Zeit also, da sich niemand in den Lagerschuppen befand. Die in der Nähe befindlichen Arbeiter konnten sich in Sicherheit bringen. Die Gefahr gilt für beseitigt.

In dem Artilleriedepot des ehemaligen Truppenübungsplatzes wird eine große Menge starker Munition, die noch aus dem Kriege stammt, aufbewahrt. Sie gehört der Reichstreuhandgesellschaft, die sie durch Angestellte des Berlin-Burger-Eisenwerkes zerlegen und verwerten lässt. Bei dieser Arbeit sind tausende von Männern und Frauen beschäftigt. Der ersten Explosion, die um 4 ½ Uhr nachmittags entstand, folgte alsbald ein zweiter, schwererer, und schließlich flog der ganze Schuppen in die Luft. Das Feuer verbreitete sich mit riesiger Schnelligkeit und griff bald auch auf die anderen Schuppen über. Nun erfolgte stundenlang Explosion auf Explosion. Die Explosionen waren die ganze Nacht hindurch zu hören, und in den Morgenstunden waren noch immer Zünder-Explosionen zu vernehmen. Es bestand zeitweise eine Gefahr für die um den Schießplatz liegenden Dörfer und die Lagerbestände, da der Brand nämlich einen sehr großen Umfang annahm. Aber die Betriebsfeuerwehr konnte des Feuers Herr werden und es eindämmen. Die größte Sorge, der die Wehr leitenden Persönlichkeiten war, die Pulvervorräte vor der Explosion zu schützen. Es lagerten 140 Zentner Schwarzpulver in einem Depot und dicht daneben befinden sich mehrere Schuppen mit großen Vorräten an rauchlosem Pulver. Diese Gebäude sind unter Wasser gesetzt worden, so dass das Übergreifen des Feuers verhindert werden konnte. Nachts gegen 3 Uhr waren die Löscharbeiten soweit gediehen, dass eine Weiterverbreitung des Brandes nicht mehr zu befürchten war.

Quelle:

Rhöhn Zeitung vom 25.8.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00172673/RhoenZ_1920-0770.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00202082

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_J%C3%BCterbog#/media/Datei:J%C3%BCterbogMilit%C3%A4rbahnhofBstseite.JPG