100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Die Universität für Thüringen

Der Thüringer Volksrat bespricht viele Detailfragen. U.a. soll die Universität Jena zur Gemeinschaftsuniversität des Staates Thüringen werden. Im Volksrat wird daher über Zuschüsse verhandelt, die für die Erweiterung des Einzugsgebiets benötigt werden. Nach der Gründung des Staates Thüringen 1920 wurde der Name der Universität Jena 1921 auch tatsächlich in Thüringische Landesuniversität geändert.

Friedrich Schiller (Namensgeber der FSU Jena seit 1934)

In der Sitzung des Thüringer Volksrates am 19. Dezember folgten nach Erledigung der Tagesordnung verschiedene Erklärungen.

Minister v. Brandenstein machte darauf aufmerksam, daß die Staaten, die noch nicht zu den Erhalterstaaten der Universität Jena gehören, Mittel zur Gemeinschaftsuniversität für Thüringen zu machen.

Abg. Thümmel begrüßte die Aufforderung im Namen der Universität. Der Universität könne es nur recht sein, wenn an Stelle der bisherigen durchlauchtigsten Erhalter nunmehr acht Hebammen träten. (Zuruf: Hoffentlich zieht dann auch mehr Freiheit in die Universität ein!) Die Universität Jena sei schon bisher eine der freiheitlichsten in Deutschland gewesen. (Abg. Faber: Darüber wird später noch ein Wörtlein zu reden sein!) Diese Tatsache steht fest. Die Universität wurde schon früher einmal Gelehrtenrepublik genannt.

Staatsminister Dr. Paulssen: Namens der Staatsregierung von Weimar sage ich für diese Anregung aufrichtigen Dank. Sie ist ein neuer Beweis, daß die Gemeinschaft die kulturellen Aufgaben von neuem aufgenommen hat und sie fördern will. (Bravo!)

Es wurden hierauf die Namen der Kommissionsmitglieder mitgeteilt, die die Beziehungen der thüringischen Staatengemeinschaft zum Reiche regeln soll. Aus dem Volksrat wurden gewählt die Abgeordneten Hartmann, Reichardt, Dr. Bielfeld und Wolff, vom Staatsrat gehren der Kommission an: Staatsminister Dr. Paulssen, Staatsrat Hofmann und Minister v. Brandenstein.

Abg. Hartmann stellte dann noch die Anfragen, ob man den Verwaltungsausschuß aufzulösen gedenke, der doch jetzt unnötig sei, und ob die von Preußen eingerichtet werden, auch Thüringen beglückt werden solle.

Staatsminister Baudert antwortet darauf, daß die erste Anfrage schon im Sinne des Anfragenden erledigt sei und daß die erwähnten Gerüchte über die Sicherheitspolizei den Tatsachen weit vorauseilen.

Präsident Leber wünschte hierauf den Abgeordneten frohe Weihnachtsfeiertage und glückliches Wiedersehen im neuen Jahre. Er dankte den Abgeordneten für ihre eifrige Arbeit im Plenum und im Ausschuß und er betonte, daß die kurze Tagung den Beweis erbracht habe, daß man auch für die Zukunft von der Thüringer Gemeinschaft Gutes erwarten könne.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 21. 12.1919

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00259221/JVB_19191221_298_167758667_B1_001.tif

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich-Schiller-Universit%C3%A4t_Jena#/media/Datei:Friedrich_Schiller_by_Ludovike_Simanowiz.jpg