100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Blut zeichnet seinen Weg

Knapp ein Jahr nach der Tat wird in München der Mörder Kurt Eisners verurteilt. Das Urteil ist hart, aber es wird ohnehin nicht vollstreckt werden. Arco genießt aufgrund seiner vermeintlich „nationalen“ Gesinnung nicht nur in Bayern großes Ansehen. Bereits einen Tag nach dem Urteil (also heute vor 100 Jahren) wird Arco begnadigt.

Anton Graf von Arco auf Valley (1897-1945)

Der Mörder Eisners zum Tode verurteilt.

Eine Kundgebung im Gerichtssaal.

In München begann am Freitag der Prozeß gegen den Grafen Arco von Valley wegen Ermordung des bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner. Bei der Vernehmung erklärte Graf Arco, er habe Eisner getötet, weil er in ihm den Führer des Bolschewismus erblickte, der den eben erstandenen Freistaat Bayern an den Bolschewismus verraten wollte. Das Urteil lautete auf Todesstrafe. Von der Aberkenntnis der bürgerlichen Ehrenrechte wurde abgesehen. Nach Verkündung der Urteilsgründe erbat sich Graf Arco das Wort und führte aus, daß er die Konsequenzen ziehen werde. Er habe erfahren, daß drei Kameraden beabsichtigen, ihn zu befreien. Er würde das als eine Dummheit ansehen und bitte, davon Abstand zu nehmen. Sie sollen mithelfen am Wiederaufbau des Vaterlandes, wodurch sie diesem und ihm selbst den größten Dienst leisten würden. Nach diesen Worten erhob sich in dem dicht gefüllten Zuschauerraum ein noch nie erlebter Beifallssturm. Der Vorsitzende nahm keine Veranlassung, diese Kundgebung zu rügen.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 17.1.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273487/JVB_19200117_015_167758667_B1_001.tif

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Graf_von_Arco_auf_Valley#/media/Datei:Anton_Graf_von_Arco_auf_Valley.png