100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Diverses aus dem Deutschen Reich

In den Zeitungen der Zeit finden sich neben ausführlichen Berichterstattungen, parteipolitisch geprägten Kommentaren und Werbeanzeigen auch Rubriken, die man wohl am ehesten unter der Kategorie „Diverses“ einordnen würde. So findet sich hier beispielsweise eine Nachricht über Vizeadmiral Hugo Meurer, welcher am 8. Januar 1920 nach einer republikkritischen Weihnachtsbotschaft in den Ruhestand versetzt wurde.

Admiral Meurer (l.) bei der Übergabe der deutschen Hochseeflotte an die Briten

Deutsches Reich.

Die deutsche Regierung hat der Schweizer Gesandtschaft eine Verbalnote überreicht, in der auf schwere Mißstände in einem französischen Gefangenenlager hingewiesen wird. In einer zweiten Note wird schärfster Einspruch erhoben gegen die Maßnahmen eines Sergeanten, der eine Prämie von 50 Franken auf jeden erschossenen deutschen Kriegsgefangenen aussetzte.

Admiral Meurer, der bisherige Chef der Marinestation der Ostsee, hat in einem Neujahrsbefehl Ausführungen gemacht, die nur als ein Angriff auf die Politik und die Autorität der Reichsregierung angesehen werden konnten. Admiral Meurer hat daraufhin seinen Abschied eingereicht, der ihm auch bewilligt wurde.

Der Reichsbürgerrat hat an die Reichsregierung folgendes Telegramm gerichtet: „Der Reichsbürgerrat unterstützt auf Grund vorliegender Mitteilungen aus dem Reiche und einmütigen Präsidialbeschlusses wärmstens die Forderungen der deutschen Beamtenschaft hinsichtlich der Teuerungszulage, deren, deren Bewährung er für dringende Staatsnotwendigkeit hält.“

Der Etat der preußischen Staatseisenbahnen schließt für das Betriebsjahr 1919 mit einem Fehlbetrag von rund 8 ¼ Milliarden Mark ab.

Der Werbeausschuss der sozialdemokratischen Eisenbahner Groß-Berlins veröffentlicht im „Vorwärts“ einen Aufruf an alle Eisenbahner, in dem es heißt: „Die gewissenlose Hetze zum Streit, die unter der Flagge der Wirtschaftspolitik getrieben wird, ist weiter nichts als eine politische Maßnahme. Sie soll der Einführung des Rätesystems nach kommunistischem Muster auf der Eisenbahn die Wege ebnen. Ein Verkehrsstreit im jetzigen Augenblick wäre ein unverantwortliches Verbrechen am Volke.“

Die Frankfurter Eisenbahnarbeiter haben die Arbeit wieder aufgenommen; im Ruhrgebiet, wo die Lage unverändert ist, scheint die Führung in den Händen der Kommunisten zu liegen.

Die Kommunisten treiben eine äußerst lebhafte Propaganda für das Zustandekommen für Massenkundgebungen am 15. Januar. An diesem Tage wird ein Jahr seit dem Tode Liebknechts und Rosa Luxemburgs vergangen sein.

Die Stadt Freiburg im Breisgau ist mit dem Jahreswechsel in das Jubeljahr ihres 800-jährigen Bestehens eingetreten. Aus diesem Anlaß sind für das Jahr 1920 eine Reihe von Festlichkeiten in Aussicht genommen. Als Hauptfesttag wurde der 18. Juli festgelegt, an welchem Tage in den Kirchen der Stadt Festgottesdienste abgehalten werden sollen. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen steht ein Festakt im Rathause.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 10.1.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273481/JVB_19200110_009_167758667_B1_002.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00370902

 

Bild: 

https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Meurer#/media/Datei:Queen_Elizabeth_Beatty_Meurer_(cropped).jpg