100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Endlich Frieden

Gestern wurde die Ratifikation des bereits im Sommer unterzeichneten Versailler Friedensvertrages endlich abgeschlossen. Dies ist nicht nur ein formal-diplomatischer Akt, da erst mit der Ratifikation des Vertrages die in Frankreich verbliebenen deutschen Kriegsgefangenen rücküberführt werden wie ein unten stehender Artikel zeigt. Gleichwohl mehren sich bereits 1920 Stimmen, die den Friedensvertrag auf wackeligen Füßen stehen sehen. Insbesondere der vom US-Senat erzwungene Rückzug der amerikanischen Streitkräfte aus Europa wird sich nachhaltig auswirken.

Karikatur von Rollin Kirby

Die feierliche Friedenszeremonie in Paris.

Paris, 10. Jan. Heute 4 Uhr nachmittag fand im Ministerium des Aeußern die Zeremonie der Unterzeichnung des Protokolls, sowie der Austausch der Ratifikationen statt. Die Zeremonie zerfiel in zwei Teile. Die Vertreter der fünf Mächte versammelten sich vorher im Kabinett des Ministeriums des Aeußern. Die Herrn v. Lersner und v. Simson wurden hierauf eingeladen, im Namen Deutschlands das Protokoll vom 1. November zu unterzeichnen. Clemenceau überreichte ihnen dann ein Schreiben, durch das die Alliierten sich verpflichten, die Ziffer des für die [deutsche Selbst-, Anm.] Zerstörung der Flotte von Scapa Flow verlangten Materials herabzusetzen. Der zweite Teil der Zeremonie fand unmittelbar im Anschluß hieran im Uhrsaal statt. Die Mächte, die den Friedensvertrag ratifizierten, waren dabei durch je einen Delegierten vertreten. Es wurde zunächst ein Protokoll aufgestellt. Hierauf wurde zur Niederlegung der Ratifikation und ihrer Ueberreichung an die Regierung der französischen Republik geschritten, damit sie diesen in ihrem Archive deponieren kann. Dieses Protokoll ist auf einem Pergament in Quadratformat gedruckt. Der Austausch der Ratifikationen wird die unverzügliche Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den Alliierten und Deutschland zum Ergebnis haben. Am Tage nach dem Austausch wird Herr v. Marcelly als französischer Geschäftsträger Paris verlassen, um sich nach Berlin zu begeben. Eine andere Folge wird die sofortige Heimschaffung der deutschen Kriegsgefangenen sein.

[…]

Die Verminderung der Besatzungstruppen.

Berlin, 10. Jan. (WTB) Die Bemühungen der deutschen Regierung um Herabsetzung der Besatzungstruppen hatten bekanntlich keinen Erfolg. Die Truppenstärke erfährt aber trotzdem eine Herabsetzung durch das Ausscheiden der Amerikaner. Nach Schleswig kommen statt drei nur zwei Bataillone, nach Danzig statt vier nur drei, nach Allenstein statt vier nur zwei, nach Oberschlesien statt 16 deren nur zwölf.

Zur Heimkehr deutscher Kriegsgefangener aus Südfrankreich.

Zürich, 10. Jan. Wie der „Bund“ vernimmt, sind die Vorbereitungen für den Heimtransport einer bedeutenden Anzahl deutscher Kriegsgefangener – man spricht von 26-40.000 – aus Südfrankreich durch die Schweiz beendet, so daß mit dem Transport begonnen werden kann. Wöchentlich sollen mindestens zwei Sonderzüge mit je 600-800 Gefangenen von Genf nach Konstanz geführt werden.

Quelle:

Weimarische Landes-Zeitung Deutschland vom 11.1.1920

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensvertrag_von_Versailles#/media/Datei:Rollin_Kirby_-_The_Accuser.jpg