100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Die Schleswiger Frage

Im Frühjahr des Jahres 1920 kocht die Stimmung im Schleswiger-Raum. Ganz im Norden des Deutschen Reiches lebten bereits Deutsch- und Dänischstämmige miteinander und blickten auf eine wechselhafte Geschichte zurück: Mal gehörte das Gebiet zur dänischen Krone, mal zum Deutschen Reichsgebiet. Im März des Jahres wird schließlich eine Abstimmung durchgeführt, die die Grundlage der Ansprache des Nordschleswiger Pastors Johannes Schmidt-Wodder bildet.

Pastor Schmidt-Wodder, um 1925

Ein deutsches Manneswort.

Als echter deutscher Mann trat der um das Deutschtum in der Nordmark hochverdiente Pastor Schmidt-Wodder dem dänischen König entgegen. Er richtete am Tage des Königsbesuchs in Tondern folgenden Aufruf an ihn:

An Seine Majestät den König von Dänemark! Eure Majestät haben den Jubel einer Bevölkerung gesehen, die auf den heutigen Tag gehofft hat durch manches Jahrzehnt und nun die Erfüllung ihrer Hoffnung feiert. Eure Majestät haben nicht gesehen, wie schwer dieser Tag all den Deutschen wird, die durch die gleiche Entscheidung von ihrem Mutterstaat getrennt, in der Lebensgemeinschaft mit ihrem Volk gestört sind, und ihren Staat und ihr Volk so lieb gatten wie nur je eine Däne das seine. Wir vertrauen darauf, daß ein König den Freimut seiner neuen Untertanen höher schätzt, als einen falschen Schein oder einen schwächlichen Gesinnungswechsel. Darum soll das unsre Huldigung sein am heutigen Tag, daß wir Eurer Majestät in aller Ehrerbietung als aufrechte deutsche Männer, als treue deutsche Frauen zu erkennen geben: Diese Liebe in unserm Herzen stirbt nicht. Auch hier in Tondern wird wohl nichts in Erscheinung treten von dem, was uns das Herz schwerer macht, als diese kurzen Worte. Es soll uns das Herz leichter machen, indem wir es offen aussprechen: Hier in Tondern, das wir nie anders kannten als eine deutsche Stadt, werden wir nicht weniger treu sein, als Eure Majestät es der heute so glücklichen deutschen Bevölkerung Nordschleswigs nachgerühmt haben. Wir hoffen auf den Tag, wo wir neu entscheiden werden über unser staatliches Geschick, frei von dem Zwang der en-bloc-Abstimmung, frei vom Zwang des Friedensvertrags.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 19.7.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273639/JVB_19200719_167_167758667_B1_001.tif

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Schmidt-Wodder#/media/Datei:Schmidt-Wodder.jpg