100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Entscheidung in den US-Vorwahlen

Der Kandidat der republikanischen Partei für die im November 1920 anstehende Präsidentschaftswahl steht fest. Warren G. Harding, der die Wahl haushoch für sich entscheiden wird, steht für eine konservative Politik, die an die Amtszeit des Repubikaners Theodore Roosevelt anknüpft. Praktisch bedeutete dies vor allem eine Rückkehr zum Isolationismus bzw. zur Nicht-Einmischung in nicht-amerikanische Konflikte.

Anders als sein demokratischer Amtsvorgänger Woodrow Wilson war Harding ein Gegner des Rassismus und Kritiker des Ku-Klux-Klans. Die Demokraten waren zu dieser Zeit die Partei der Südstaaten, während die Republikaner in der Tradition Lincolns den Norden dominierten. Dass die „Rassen-Frage“ auch 1920 ein akutes Problem darstellte, zeigt eine kurze Notiz über „Neger-Unruhen“ in Chicago.

Werbeplakat Hardings

Rückkehr zum Rooseveltkurs.

Die Aufstellung des republikanischen Senators Harding als Präsidentschaftskandidat hat eine seltsame Gereiztheit und alle Gegenminen der Briten und Britenfreunde ausgelöst. Der deutschfresserische Führer der amerikanischen Gewerkschaften, Samuel Compers, ein gebürtiger Engländer, versucht, die Gewerkschaften gegen diese Kandidatur mobil zu machen und die Londoner Blätter behaupten, der Sieg eines Republikaners würde England zwingen, die Beziehungen zur Washingtoner Regierung auf eine ganz andere Basis zu stellen. England befürchtet, daß ein republikanischer Sieg über die Demokraten Wilsons, über das Parteizeichen des krähenden Hahns, die Konflikte wieder lebendig macht, die seit der Herrschaft der britenfreundlichen Demokraten unerledigt bleiben. Es handelt sich im wesentlichen um die Gegensätze in der Frage der Panamakanalzölle. Weiter fürchtet England, eine neue amerikanische Regierung würde der britischen Schifffahrt nicht in amerikanischen Häfen die bisherige Vorzugsbehandlung gewähren, und schließlich sind die amerikanischen Republikaner für die Uebernahme der kanadischen Eisenbahnstrecken auf dem Gebiete der Union und hinter ihnen stehen die 8 Millionen Iren, die von der amerikanischen Regierung ein Einschreiten gegen die britische Vergewaltigung der Heimatinsel heischen. Die britische Presse setzt daher alle ihre Hoffnungen auf einen Sieg der Demokraten und wartet, ob nicht von der demokratischen Plattform in San Francisco Mac Abor erkoren wird.

Die Republikaner haben durch die Wahl ihres Kandidaten Harding, der ursprünglich Taft anhing, dann aber ins Roosevelt’sche Lager übersiedelte, sich zu der im Grunde britenfeindlichen und rein amerikanischen Politik Roosevelts bekannt. In diesem Zusammenhange ist interessant, daß die amerikanisch-republikanische Presse jetzt sehr stark gegen ein englisches Handelsmonopol in Rußland Stellung nimmt und über die Politik gegen Deutschland folgendermaßen urteilt: Die französische Politik gegenüber Deutschland ist unpraktisch und überempfindlich. Deutschland muß wieder lebensfähig gemacht werden, damit Europa zur Ruhe komme. Bei der Besetzung Frankfurts hat der Völkerbund versagt. Und schließlich ist Wilsons Niederlage in der Fiumefrage ein in Amerika noch immer wirksames Argument gegen eine direkte Einmischung in europäische Angelegenheit.

Negerunruhen in Amerika.

TU. Chicago, 22. Juni. Ein Demonstrationszug von Negern, der von der „Zurück nach Afrika“-Bewegung veranstaltet wurde, verbrannte das Sternenbanner, worauf die Weißen den Zug sprengten. Es entspann sich ein heftiger Kampf, in dessen Verlauf 2 Weiße und ein Neger getötet und viele Personen verwundet wurden.

Quellen:

Der Deutsche vom 23.6.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00246778/SDH_19376538_1920_Der_Deutsche_0611.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00307206

Jenaische Zeitung vom 23.6.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00277666/JZ_Jenaische_Zeitung_169419428_1920_06_0125.tif

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Warren_G._Harding#/media/Datei:Harding_Campaign_Songbook-1920.jpg

 

Link zum Kampagnen-Song Hardings:

https://www.youtube.com/watch?v=Gq2rnv7xPWs