100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Politisches aus Thüringen

Kleinere Meldungen dominieren die Woche nach den Landtagswahlen. So kam es zu einer leichten Verschiebung der Mandatszahl, wovon die DDP profitierte. Ein kapp-treuer Unteroffizier wurde des Betrugs entlarvt und die Universität Jena soll auf eine neue finanzielle Grundlage gestellt werden.

Gedenktafel am ehemaligen Landtagsgebäude in Weimar

Der Thüringer Landtag.

Nach den letzten Meldungen über die Wahlergebnisse bei der Landtagswahl in Thüringen hat die Deutsche demokratische Partei noch ein fünftes Mandat erhalten, das der Schriftsteller Dr. Hermann Anders Krüger (Neudietendorf) ausüben wird. Es stehen also den 26 sozialdemokratischen fürderhin 28 bürgerliche Abgeordnete gegenüber. Unter den nunmehr 54 Abgeordneten des Thüringer Landtags befinden sich 2 Frauen, nämlich eine Vertreterin der Deutschen demokratischen Partei (Frl. Dr. Marie Schulz in Gera) und eine von der mehrheitssozialistischen Partei (Ehefrau Emma Sachse in Altenburg).

Ein militaristischer Musterknabe.

Für weite Kreise der Oeffentlichkeit wird es interessant sein zu erfahren, daß der als Dieb und betrügerischer Schieber großen Stils entlarvte und festgesetzte Kammerunteroffizier Kahle der zweiten Abteilung des Landesjägerkorps in Altenburg zu den wenigen Unteroffizieren jener Abteilung gehört, die als Lieblinge der kappistischen Offiziere den republikanisch gesinnten Unteroffizieren fernstanden, ja diese bespitzelten. So sehen die Getreuen der kappistischen Landfriedensbrecher aus!

Die Thüringer Hochschule.

Die Universität Jena hat zwar schon immer den Namen Thüringische Hochschule getragen, wurde aber bisher nicht von allen thüringischen Staaten, sondern nur von Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg und Sachsen-Gotha erhalten und geleitet. Nach der Verfassung des Landes Thüringen soll ihre Unterhaltung bald auf den neuen Gesamtstaat übergehen. Ungeachtet dessen haben die Regierungen der bisher nicht beteiligten ehemaligen thüringischen Einzelstaaten sich entschlossen, bereits vom 1. April 1920 an im Verhältnis ihrer Bevölkerungszahl der Universität die gleichen Zuschüsse zu leisten, wie die bisherigen Erhalterstaaten. Die Universität Jena wird daher künftig von allen thüringischen Regierungen gemeinschaftlich verwaltet werden, bis die Aufsicht und Leitung auf den Staat Thüringen übergeht.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 26.6.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273620/JVB_19200626_148_167758667_B1_002.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00371041

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Thüringer_Landtag_(Weimarer_Republik)#/media/Datei:Gedenktafel_Platz_der_Demokratie_(Weimar)_Landtag.jpg