100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Aufruf für das Ernst Haeckel Museum

Ein halbes Jahr nach dem Tod des Naturforschers Ernst Haeckels, einem der bekanntesten Jenenser, stehen die Pläne für das Ernst-Haeckel-Haus in Jena, als Museum und Ort der Wissenschaft, das 2020, ca. 100 Jahre nach Ersteröffnung, renoviert und bald wieder geöffnet wird.

"Discomedusae" - gezeichnet von Ernst Haeckel

Vom Kuratorium des Ernst-Haeckel-Museums in Jena wird der folgende Aufruf veröffentlicht:

Mit dem Tode Ernst Haeckels am 9. August 1919 ist einer der größten und edelsten Männer aller Zeiten dahingegangen, der nicht nur in der Wissenschaft Bahnbrechendes geleistet hat, sondern auch als unerschrockener und begeisterter Vorkämpfer für Denk- und Gewissensfreiheit zu einer ethischen Idealgestalt des deutschen Volkes geworden ist.

Pflicht der Nachwelt ist es nunmehr, das, was er uns geschenkt hat, auch für kommende Geschlechter fruchtbar zu erhalten, womit nicht nur diesen gedient, sondern gleichzeitig auch sein Andenken aufs schönste geehrt und unser Dank am besten betätigt wird.

Zu den greifbaren Schätzen, die uns Ernst Haeckel hinterlassen hat und die in diesem Sinne nutzbar gemacht werden können, gehört nun aber im besonderen die kostbare, in ihrer Art einzigartige Sammlung von Manuskripten, Briefen, Büchern, Broschüren, Bildern, Kunstwerken zur Geschichte und Theorie der Entwicklungslehre, die er in seinem langen und arbeitsreichen Leben zusammengebracht hat und die zurzeit teilweise in der Universitätsbibliothek zu Jena, zum Teil in der Villa des Meisters untergebracht sind. Wie sie vielleicht wissen, ist die letztere von der Carl-Zeiss-Stiftung bereits gemacht worden. Wie in Weimar das Goethe-und Schiller-Haus, werden wir also in Jena ein Ernst-Haeckel-Haus haben, das aber nicht nur der weihevollen Erinnerung dienen, sondern gleichzeitig eine Fundgrube und eine Arbeitsstätte für weitere Forschung besonders im Sinne der Entwicklungslehre sein soll. In dem Haeckel-Haus ein „Institut für allgemeine Entwicklungslehre“ entstehen zu sehen, war des Meisters letzter Wunsch. Es ist bereits mit der vorläufigen Einrichtung der Villa zu diesem Zwecke begonnen worden. Aber die Universität Jena hat keine Mittel, weder um die Einrichtung und Ausgestaltung des Haeckel-Hauses zu vollenden, noch auch um die dauernde Unterhaltung des Museums zu übernehmen.

Deshalb wenden sich die Unterzeichneten an die Freunde und Verehrer des großen Forschers und Menschen mit der Bitte, mitzuhelfen, die nötigen materiellen Mittel, d. h. einen Fonds zu schaffen, der nicht nur die Existenz, sondern auch die dauernde Fruchtbarmachung des Ernst-Haeckel-Museums gewährleistet.

Beiträge für diesen Zweck erbitten wir an die Bank für Thüringen, Jena, mit der Bezeichnung „Für das Ernst-Haeckel-Museum“. Ueber die Verwendung der Sammlung und deren Zinsen bestimmt das unterzeichnete, noch von Haeckel selbst ernannte Kuratorium, das auch seinerzeit in geeigneter Weise Rechnung darüber legen wird. Nähere Auskünfte erteilt inzwischen Professor Heinrich Schmidt, Ernst-Haeckel-Archiv, Jena.

Mit der Bitte, diese Anregung wohlwollen aufzunehmen, da dieselbe lediglich dem Bewußtsein entspringt, eine Pflicht zu erfüllen,

 

zeichnet ganz ergebenst

Jena, Ernst-Haeckel-Archiv, im Dezember 1919.

Prof. Dr. Fr. Mauer.   Prof Dr. Straubel.

Walter Haeckel, München.    Prof Dr. E. Rosenthal.

Prof. Dr. Heinrich Schmidt.   Geheimer Staatsrat

Dr. Volkert, Kurator der Universität Jena.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 8.3.1920

In:https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273530/JVB_19200308_058_167758667_Be_001.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00370951

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Haeckel#/media/Datei:Haeckel_Discomedusae_8.jpg