100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Bauern für die Demokratie

Der Deutsche Bauernbund existierte als Interessenvertretung der Landwirte von 1909 bis 1927 und trat zwischenzeitlich auch als Partei auf, welche sogar bis 1933 bestand. Im Nachgang der Novemberrevolution stellte sich der Deutsche Bauernbund auf die Seite der linksliberalen DDP und erhielt im Gegenzug eine umfangreiche finanzielle Unterstützung. Auch zum Hansa-Bund bestanden gute Kontakte. Sowohl für die Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung 1919 als auch zum Deutschen Reichstag 1920 gab es ein offizielles Bündnis mit der DDP, dessen Grundlage die Delegiertentagung des Deutschen Bauernbundes im März 1920 war, von dem im Folgenden berichtet wird.

Der Vorsitzende des Baunerbundes - Friedrich Wachhorst de Wente (DDP)

Bauernbund und Demokratie.

In der Delegiertentagung des Deutschen Bauernbundes am 6. und 7. März 1920, die von mehr als 100 Delegierten aus allen Landesteilen Deutschlands besucht war, wurde in zweitägiger Beratung nach Referaten des Abg. Dr. Böhme und des Landwirts Harte mit allen gegen fünf Stimmen nachfolgende, die künftige Politik des Deutschen Bauernbundes bestimmende Revolution angenommen:

„Die Generalversammlung des Deutschen Bauernbundes billigt die Politik des Zusammengehens mit der Deutschen demokratischen Partei bei den Wahlen zur Nationalversammlung. Sie erkennt an, daß dieser Politik wesentliche Erfolge für die Landwirtschaft zu verdanken sind, die weder in der Opposition, noch durch Sonderlisten der durch die veränderte Wahlkreiseinteilung herbeigeführten landwirtschaftlichen Minderheit zu erreichen gewesen wären. In der Annahme des Siedlungsgesetztes erblickt sie das größte Werk auf landwirtschaftlichem Gebiete, das seit Jahrhunderten zu Gunsten der breiten Massen des flachen Landes zustande gekommen ist. Es allen Widerständen gegenüber, insbesondere auch auf dem Gebiete der Adjazentensiedlung, durchzuführen, ist die größte Aufgabe der praktischen Agrarpolitik der Gegenwart.

Der Vertretertag erblickt in einer engeren Zusammenarbeit der landwirtschaftlichen, wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Organisationen, die politisch auf dem Boden einer nationalen Demokratie oder eines nationalen Liberalismus stehen, ein wichtiges innerpolitisches Ziel des freiheitlich gesinnten Teiles der deutschen Landwirtschaft. Die Vertreterversammlung gibt dem Ausschuß Vollmacht, im Rahmen der bisherigen Politik die Vorbereitung für die nächsten Wahlen zu treffen, falls ein befriedigendes Wahlabkommen mit der deutschen Demokratie zu erzielen ist. Die Vertretertagung erklärt, daß eine selbstständige abweichende Stellungnahme einzelner Teilorganisationen mit der Zugehörigkeit zum Bunde unvereinbar ist. Sie spricht ihre Überzeugung auch dahin aus, daß Erfolge der Gesamtorganisation auf die Dauer nur dann möglich sind, wenn der einzelne den Mehrheitswillen seiner Organisation auch für sein persönliches Verhalten als unbedingt bindend anerkennt.“

Quelle:

 

Jenaer Volksblatt vom 26.3.1920

In:https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273546/JVB_19200326_074_167758667_B1_002.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00370967

 

Bild:

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wachhorst_de_Wente#/media/Datei:WachhorstdeWenteFriedrich.jpg