100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Der Thüringer und sein Bier

Schon zu Zeiten der Weimarer Republik war Bier offensichtlich in aller Munde. Der Streit zwischen Brauereien und Gastwirtsvereinen schlug sich auch auf die Berichterstattung in der Zeitung nieder und endete doch tatsächlich mit der Feststellung, dass es andere, bessere Getränke als Bier gäbe. Wie das angesprochene „biertrinkende Publikum“ wohl darauf reagiert hat?

... 1994 eingeführt.

Die Bierpreiserhöhung in Thüringen.

Keine Herabsetzung möglich!

Ohrdruf. In Sachen der Bierpreiserhöhung hatte der Gastwirtsverein Stadt- und Landratsamtsbezirk Ohrdruf ein Dringlichkeitsgesuch an den Reichsminister gerichtet mit der Bitte, den Brauereien einen geringeren Aufschlag vorzuschlagen. Hierauf ist der Arbeitsgemeinschaft der Gastwirtsvereine des Freistaates Gotha ein Schreiben zugegangen, in dem es heißt:

Die Festsetzung des um 100 Prozent höheren Bierpreises ist nach genauen Berechnungen und Untersuchungen bei den Brauereien ergangen. Diese Untersuchungen hatten das Ergebnis, daß die stark gestiegenen Unkosten den nunmehr in Kraft getretenen Preis rechtfertigen. Bei den im Ministerium stattgefundenen Verhandlungen waren auch die Vertreter der Gastwirtsgewerbe beteiligt. Das Ministerium hat fernerhin den Brauereien die Erlaubnis erteilt, ein stärker eingebrautes Bier herzustellen, um den Wünschen der Konsumenten entgegenzukommen. Insbesondere haben die Brauereien in Thüringen beim Ministerium den Antrag gestellt, den Bierbreis zu erhöhen. Bereits vor zwei Monaten haben diese Brauereien nachgewiesen, daß die Herstellungskosten beim Bier 90 bis 100 M für den Hektoliter betragen. Inzwischen sind die Unkosten noch weit höher gestiegen, so daß auch die Thüringer Brauereien mit diesem Bierpreis gerade ihre Unkosten finden können. Eine Herabsetzung des Bierpreises ist daher nicht möglich.

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Einstellung des Bierbezuges.

An das biertrinkende Publikum von Eisfeld, Schalkau, Hildburghausen, Sonneberg und Steinach erlassen die Vorstände der betreffenden Gastwirtevereine folgenden Aufruf:

Durch fortwährende Steigerung der Bierpreise sind wir Wirte gezwungen, den Bierbezug vom 8. Mai ab einzustellen, da eine Einigung bei der jetzigen enormen Bierpreiserhöhung mit den Brauereien nicht erzielt werden konnte. Trotzdem wir in Anbetracht der erneuten Lohnforderungen der Brauereiarbeiter einen Preisaufschlag von 20 M je Hektoliter bewilligt hatten, stehen die Brauereien auf dem Standpunkt, das Bier uns zu diesem Preis nicht liefern zu können. Wohl sind wir bereit, bei einem besser eingebrauten Bier den Preis entsprechend anzunehmen.

Falls in einzelnen Lokalen doch Bier zum erhöhten Preis zum Ausschank kommt, ist dasselbe zurückzuweisen, da das noch bei den Wirten lagernde Bier zum alten Preis verkauft werden muß. Das Publikum bitten wir, unsere Lokalitäten mit seinem Besuch weiter zu beehren; wir sind in der Lage, die Gäste weitgehend mit anderen uns zur Verfügung stehenden besseren Getränken zu bedienen.

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 14.05.20

In:https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273584/JVB_19200514_112_167758667_B2_003.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00371005

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bier_in_Deutschland#/media/Datei:Tag_des_Deutschen_Bieres.png