100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Dokument des Judenhasses

Der Protestantismus ist bereits seit Luthers Zeiten von einem theologisch begründeten Antijudaismus geprägt. Eine bloße Ablehnung der religiösen Lehren des Judentums ist dies in diesem Artikel aber nicht, vielmehr wird mit theologischen Scheinargumenten das Judentum für alle Probleme Deutschlands verantwortlich gemacht und die „gemarterte Nation“ mit Christus verglichen. Mit der Bezeichnung der SPD bzw. des Marxismus als „jüdisch geartet“ wird zudem die Grenze zu einem rassistischen Antisemitismus überschritten.

Der Orientalist Friedrich Delitzsch

„Wach auf du Geist der ersten Zeugen!“

Im Grenzgebiet der evangelischen Kirche und nationalen Weltanschauung tritt seit einiger Zeit ein gewisses Mißbehagen hervor, dem die Kirche um ihrer selbst willen Beachtung schenken sollte. Es ist nicht neu, vielmehr so alt, als das Nachdenken über die Persönlichkeit Christi und die Gegensätzlichkeit des Alten und Neuen Testaments. Schon als vor acht Jahren die Aufforderung der ursprünglichen Niederschrift von Goethes Wilhelm Meister uns zeigte, daß auch Goethe nicht ohne ? diese Mißwirkung des landläufigen Unterrichts in biblischer Geschichte empfunden hat, dürfte man hoffen, daß in dieser Hinsicht ein Wandel Platz greifen würde. Denn Goethe, der selbst die große Wahrheit ausgesprochen hatte, „niemand glaube jemals die Eindrücke seiner Kindheit überwinden zu können“, läßt in dem Gespräche zwischen Wilhelm Werner erkennen, wie tief unsere jugendliche Aufmerksamkeit „gereizt und in Verwunderung gesetzt“ werde durch die erste ihr dargebotene Geschichte:

„von jenen heiligen Männern, an welchen Gott einen besonderen Anteil zu nehmen geruhte. Wir hören von ihnen gleichsam als von unsern eigenen Stammvätern sprechen, und die vorzüglichsten Männer der vorzüglichsten Nation müssen für uns die ersten in der Welt werden. Wir untersuchen nicht, wie interessant ihre Handlungen sind, sondern die Verhandlungen sind uns merkwürdig, weil sie von ihnen erzählt werden.“ – “

Niemand wird sagen wollen, daß diese Beobachtung Goethes heute nicht mehr zuträfe und daß die deutsche Schule vor anderthalb Jahrhunderten den aufnahmefähigen Kinderherzen etwa andere Eindrücke geboten hätte. Noch immer hört unser deutsches Volk von seinen eigenen Ahnen, seinen eigenen wunderbaren Heldengestalten viel zu wenig, seine Phantasie wird viel zu sehr angeregt durch stark betonte Größe, der von Goethe gekennzeichneten „Stammväter“.

Die wissenschaftliche Forschung hat seit Goethes Tagen nicht geruht, insbesondere hat Wahrmund in seinem tiefgründigen Werke über das Gesetz des Nomadentums auf die Unvereinbarkeit des jüdischen und des deutschen Denkens in ewig gültiger Bestimmtheit hingewiesen. Neben und nach ihm haben Düring, Theodor Fritsch u. a. dargelegt, welche für das Germanentum verderbliche Hypnose in dem Alten Testament verborgen stecke, zumal die in dem 5. Buche Mose und den bekannten Stellen der Propheten hervortretende Herrschsucht und Eroberungsgier ja im innersten Grunde unvereinbar erscheint mit der christlichen Lehre, wie sie im griechischen Gewande vor uns steht. Ein vernichtendes Schlußstück hat zu dieser tiefen geistigen Arbeit jüngst das von Prof. Friedrich Delitzsch herausgegebene Buch „Die große Täuschung“ gefügt. Es bietet kritische Betrachtungen zu dem alttestamentarischen Bericht über Israels Eindringen in Kanaan, die Gottesoffenbarung vom Sinai und die Wirksamkeit der Propheten und zerstört mit unerbittlicher Sachlichkeit den Anspruch des Judentums auf den Besitz von Palästina und Jerusalem als seine geistige und religiöse Heimat. Vielmehr weist Delitzsch nach, „daß die in Kanaan eingedrungenen alten Hebräer gar kein heiliges Volk waren, sondern im Gegenteil raubende und mordende Nomaden“. Durch Betrug, Verrat, Raub und furchtbare Grausamkeit wurden nach dem Gebote Jahos, ihres Wüstengötzen, alle Einwohner einschließlich der Kinder hingemordet und den in Kanaan seßhaften Völker ihr Land entrissen, soweit die Eindringlinge dies vermochten. Wo die Nichtsnutzigkeit dieses Verrats allzu klar vor der Welt lag, wurden geheimnisvolle Wundergeschichten erfunden, wie die vom Umfallen der Mauern beim Vorantragen der Bundeslade. Delitzsch spricht für diese Fälle die harte Wahrheit aus: „Eroberung mittels Verrats einer zu diesem Zwecke bestochenen Hure“. Er weist alsdann mit erschreckender Deutlichkeit auf, wie die Juden das summerische Volk unterdrückt und seine Kultur sich angeeignet haben, soweit sie ihrem nomadischen Geiste sich anpassen ließ. Alles dies ist nicht neu, Eduard Heyck hat soeben darauf unzweideutig hingewiesen und der ganze am deutschen Volke begangene Betrug, wie er jetzt vor unseren Augen steht, ist nur ein Gegenstück zu der vom Delitzsch aufgedeckten Unterdrückung. Aber es muß jetzt endlich, in das deutsche Volk hineindringen und auch unsere evangelische Kirche wird nicht länger umhin können, ernsthaft dazu Stellung zu nehmen. Denn ein großer Teil aufrichtig Gläubiger kommt gegenüber der Auffassung des alttestamentarischen Judentums nicht über den Gewissenskonflikt hinweg, daß gerade aus diesem Volke, das sich doch noch obendrein selbst als das auserwählte Volk Gottes bezeichnet, der Heiland hervorgegangen sei, dessen geläuterte Lehre ganz gewiß das genaue Gegenteil der jüdischen Überlieferung ist. Es hat nicht ausbleiben können, daß man auch für diesen Grundsatz Jesu zum Judentume nach volks- und rassemäßigen Erklärungen gesucht hat und Jesus, den Galiläer, als Arier zu erkennen glaubt. Der trotzige Bekennermut dieser Gegner des „Judaismus“ im Christentume wird noch besonders genährt durch eine gewisse Richtung unter den jüdischen Rabbinern, die ganz im Gegensatze zu der galizischen Orthodoxie Christo volle Gerechtigkeit widerfahren läßt, ihn aber nur als eine schwärmerische Blüte des „jüdischen Idealismus“ gelten lassen will. Begreiflich genug, daß sich dagegen deutsche Gemüter mit Empörung erheben angesichts der Worte Jesu im Tempel und der Haltung des Pilatus gegenüber den Anklägern des verratenen Erlösers der Welt! Jeder Blick auf das furchtbare Geschick, das dem deutschen Volke durch das Judentum bereitet ist, verstärkt den so in den Mittelpunkt des deutschen Lebens gesetzten Streit um die Persönlichkeit Jesu und es wird der Vertiefung des Deutschtums damit wahrlich ebensowenig gedient wie dem Christentume. Vielmehr wird von der schweren Not dieser Tage uns gerade der gen Himmel gefahrene Heiland in demselben Maße näher gebracht, als er vom Stande befreit und ganz und gar vergeistigt über uns schwebt und eben darum wahrlich bei uns ist in jeder Stunde. Denn sein Scheiden vom engen Heimatboden hat auch das Christentum vergeistigt und zu der Kraft gemacht, die auch uns stärken kann und wird, in dem Gedanken an seine allezeit wirksame Gegenwart den Aufstieg zu suchen, der unserm Volke not tut. Als die große Welterschütterung über uns hereinbrach, war das ganze deutsche Volk von dieser tiefen Sehnsucht ergriffen, und die Kirchen vermochten nicht die Menge der Bedenken zu fassen, die in höchster Not vor ihren Gott hintraten. Daß mit der Zersetzung des deutschen Geistes durch das Judentum auch diese aufrichtige Frömmigkeit so stark gelitten hat, gehört ganz und gar in das von Delitzsch in seinem erwähnten Buche behandelte Kapitel. Denn letzten Endes ist der Kampf, der jetzt in unserem politisch zerrissenen Leben tobt, doch hauptsächlich ein solcher des historischen Materialismus, wie ihn die jüdisch geartete Sozialdemokratie vertritt, mit der christlichen Welt- und Lebensauffassung. Und es wird kein Heil sein für unser armes zermartertes Volk, außer in einer neuen seelischen Vertiefung und ein Zurückbesinnen auf den Geist der ersten Zeugen, der 1914 unser Volk so jugendschön und herzensheilig hat erscheinen lassen!

Quelle:

Thüringer Tageszeitung vom 20.5.1920

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Delitzsch#/media/Datei:Friedrich_Delitzsch.jpg