100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Hausfrauen in die Politik!

Die DNVP-nahe Jenaische Zeitung argumentiert für mehr Frauenbeteiligung im Wirtschaftsrat des Landes und macht sich stark dafür, dass die Stimmen der Frauen im Lande mehr gehört werden. Insgesamt setzen die rechten Parteien größere Hoffnungen in den Wirtschaftsrat als die Linken.

Gedenkmarke von 1994

Frauen im Reichswirtschaftsrat

Die Notwendigkeit einer ausreichenden Vertretung der Frauen im Reichswirtschaftsrat wurde auf der Reichsfrauentagung unserer Partei hervorgehoben und erörtert. Wie wir erfahren, hat der Vorstand des Bundes Deutscher Frauenvereine bereits eine diesbezügliche Eingabe an die Nationalversammlung gerichtet, in der ersucht wird, unter den Vertretern der Produzenten, wie der Konsumenten, die Frauen ausreichend zu berücksichtigen. Der Bund geht hierbei von den Gesichtspunkten aus, daß auch die Hauswirtschaft zu den erzeugenden Berufen gehört und als solcher im Reichswirtschaftsrat vertreten sein muss. Beantragt wurde die Bildung einer Gruppe „Vertreter der Hauswirtschaft“, in die sechs Vertreterinnen der Hausfrauen und sechs Vertreterinnen der Hausangestellten zu wählen seien. Ebenso wird eine vermehrte Heranziehung der Frauen innerhalb der Ordnung und der Leitung des Güterverbrauchs die wichtigste Rolle spielen. Der Unterausschuss zur Bildung des provisorischen Reichswirtschaftsrat hat darauf beschlossen, das unter den 30 Vertretern der Verbraucherschaft zwei Vertreter der Hausfrauen, zu benennen vom Verband Deutscher Hausfrauenvereine und zwei Vertreter der Hausangestellten, davon eine zu benennen vom Zentralverband der Hausangestellten Deutschlands, in den Reichswirtschaftsrat zu entsenden sind. Wenn hiermit auch nur ein Teil der vom Bund deutscher Frauenvereine aufgestellten Forderungen erfüllt wurde und die Hinzuziehung von Hausfrauen in die Produzentengruppen bisher noch nicht erfolgte, so ist doch anzunehmen, daß es den maßgebenden Organisationen gelingen wird, auch in diesen Gruppen den Hausfrauen eine ihrer Zahl und volkswirtschaftlichen Bedeutung ihrer Tätigkeit entsprechende Vertretung zu sichern.

Die dahinzielenden Bemühungen der Organisationen müssen jedoch von der Gesamtheit der Frauen unterstützt werden. Es wäre daher wünschenswert, auch diese sowohl wirtschaftlich, als im Hinblick auf den Ausbau der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung, wichtige Forderung in Vorträgen und Versammlungen weiteren Frauenkreisen nahe zu bringen; eine Aufgabe, die auch während der Wahlpropaganda erfüllt werden kann.

Quelle:

Jenaische Zeitung vom 03.05.1920

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00277666/JZ_Jenaische_Zeitung_169419428_1920_05_0006.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00376238

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_Frauenvereine#/media/Datei:DBP_1994_1723_Bund_Deutscher_Frauenvereine.jpg