100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Und nun zum Sport

In Zeiten ohne Sky, Live-Berichterstattung, öffentlich-rechtlichem Fernsehen oder jedem zugänglichen Radioempfang findet sich die Berichterstattung über sportliche Wettkämpfe vorrangig in der tagesaktuellen Presse wieder. Bei folgendem Auszug über ein spannendes Spiel zwischen Jena und Würzburg erfahren wir, dass es innerdeutsch durchaus unterschiedliche Regeln im Fußball gab.

Altes Logo des DFB

Sport und Spiel.

Fußball.

1. Sportverein Jena e.V.

Die Ligamannschaft des 1. Sportvereins Jena befindet sich zurzeit auf einer Tournee in Süddeutschland. Das erste Spiel am Sonntag gegen die Würzburger Kickers endete 2 : 1 zu gunsten Jenas. Punkt 3 Uhr betrat Jena, von den zirka 2300 – 4000 anwesenden Zuschauern lebhaft begrüßt, den Platz. Mit Anstoß Jenas beginnt das Spiel, beide Pateien fühlen erst. Ein spannender Kampf wird dem Publikum vorgeführt. Der Kickerssturm unternimmt fein durchdachte Vorstöße, jedoch Jenas Hintermannschaft ist heute unüberwindlich. Jenas Sturm greift energisch an, man sieht den Drang nach vorn bei ihm. Es wird oft vorbei oder über das Tor der Ball gejagt. Durch einen Fehler des Schiedsrichters muß sich Jena einen Tiefwurf vor seinem Tor gefallen lassen, Stämmler rettet, im nächsten Moment muß sein Gegenüber schon eingreifen, Körbs greift den Tormann an; Freistoß, in Süddeutschland ist es verboten, im Torraum den Tormann anzugreifen. Gleich darauf gelingt es Würzburg, das erste Tor zu erzielen, ohne den Erfolg zu schmälern, aus glatter Abseitsstellung. Mit 1 : 0 für Würzburg geht es in die Pause. Beide Mannschaften gehen alles her, um den Sieg noch zu holen, respektive zu halten. Schrehvogel verteilt die Bälle mit alter Sicherheit und der Innensturm Jenas wird mit Bällen gefüttert. Da, ein prächtiger Schuß Engelmanns bringt den verdienten Ausgleich. Das Herz lacht, zu sehen, wie beide Mannschaften arbeiten. Bald wird das eine, bald das andere Tor bedrängt. Beide Torleute zeigen ihr großes Können. Eine Flanke Toesselts, Kerlin läuft durch beide Verteidiger, ein schöner Schuß, Tor. Doch welche Enttäuschung: der Schiedsrichter gibt Abseits. Der Kickerssturm bringt wieder durch prächtiges Zuspiel den Ball nach vorn, ein Schuß des Halblinken, schon hört man Tor, aber Kämmler lenkt durch Hinwerfen zur Ecke. Kerlin schießt, gleich darauf eine seiner sogenannten „Bomben“ an die Latte, da gelingt es Streubhardt als Linksaußen, durch schönen Schuß den Sieg an uns zu reißen. Mit 2 : 1 ist Jena Sieger, ein glänzendes Spiel ist vorbei. Bei Jena war der beste Mann Braungart als Verteidiger, Kämmler im Tor sehr gut, die Mannschaft verdient ein Gesamtlob, ein jeder gab sein Bestes her. Bei Kickers zeigte der Sturm das gefällige Süddeutsche Paßspiel, der Mittelläufer zeichnete sich durch glänzendes Kopfspiel aus, sehr gut waren der linke Verteidiger, Läufer und Tormann. Der Schiedsrichter war dem Spiel garnicht gewachsen.

Die Ligamannschaft des 1. Sportvereins Jena spielt Dienstag in Ludwigshafen, Donnerstag in Worms, Sonnabend in Offenbach, Sonntag in Frankfurt und Montag in Fulda. Die besten Wünsche begleiten die Mannschaft auf ihrer Reise. […]

Quelle:

Jenaer Volksblatt vom 17.05.20

In: https://zs.thulb.uni-je-na.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00273586/JVB_19200517_114_167758667_B1_002.tif?logicalDiv=jportal_jpvolume_00371007

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Fu%C3%9Fballmeisterschaft_1919/20#/media/Datei:DFB-Logo_1900.svg