100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Coburg vor der Wahl

Die Volksabstimmung im Freistaat Coburg steht unmittelbar bevor. Ein letztes Mal versucht die Spitze der Thüringer (bessergesagt der Weimarer) Politik für den Anschluss an das künftige Land Thüringen zu werben und verspricht verschiedene Begünstigungen. Das Stadtwappen Coburgs (Bild) zeigt übrigens den heiligen Mauritius.

Das Stadtwappen Coburgs auf der Rathaustür

Politisches aus Thüringen.

Zur Koburger Anschlussfrage.

Koburg, 27. Nov. Die auf Mittwoch abend ½ 8 Uhr in den Festsaal des Koburger Hobräuhauses, Bierhalle, einberufene Volksversammlung hatte einen solchen Andrang aufzuweisen, daß der überfüllte Saal bereits um 7 Uhr polizeilich abgesperrt werden mußte. Viele hunderte später Kommende fanden infolgedessen keinen Einlaß. In der Versammlung sprachen für Thüringen der Landtagsabgeordnete Mämpel (Koburg), Staatsminister Dr. Paulssen (Weimar), Minister von Brandenstein (Gera), Frau Landtagsabgeordnete Klaue (Jena) und Staatsrat Rudolph (Weimar). Einen bemerkenswerten Umschwung der Stimmung zu Gunsten Thüringens erbrachten Umschwung der Stimmung zu Gunsten Thüringens erbrachten die Ausführungen dieser Redner, insbesondere die Zusicherungen des Staatsministers Dr. Paulssen, der ebenso wie die anderen Mitglieder des Staatsrates für Thüringen erklärte, nicht anzustehen, guten Gewissens die Versicherung geben zu können, daß alles, was in den 10 Punkten der Vereinbarung mit der bayerischen Regierung festgesetzt worden sei, auch von Thüringen erfüllt werden könne und müsse. Die Befürchtungen, daß Koburg nachdem es nicht mehr Hauptstadt eines deutschen Bundesstaates sei, schwere Verluste durch Verlegung oder das Eingehen von Behörden erleiden könne, seien deshalb völlig unbegründet, weil Thüringen bemüht sei, alle diejenigen Behörden, die nicht unbedingt am Sitze der Zentralregierung sein müßten, nach diesen Städten zu verlegen. So sei bereits der Sitz des Landesfinanzamtes nach Rudolstadt gekommen. Eine ganze Reihe von Behörden sei  noch zu errichten. So sei eine Obere Forstbehörde, ein Oberbergamt, eine Zentralbehörde für die Verwaltung des früheren fürstlichen Eigentums, wie auch eine oberste Brandversicherungsstelle zu errichten. Von diesen und noch anderen zu errichtenden Behörden würde Koburg sicher die eine oder die andere erhalten. Außerdem könne Koburg ja noch als Sitz des erweiterten Kommunalverbandes mit Einschluß der benachbarten Bezirke in Frage.

Zustände im Volksstaate Gotha.

Berlin, 28. Novbr. Die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei hat an die Reichsregierung folgende Anfrage gerichtet:

Ist der Reichsregierung bekannt, daß im Volksstaate Gotha die Volksbeauftragten das Recht, welches der ehemalige Herzog hatte, von welcher er jedoch nur einmal in einer unbedeutenden Sache Gebrauch machte, gerichtliche Strafverfahren niederzuschlagen, sich anmaßen? So z.B. haben die Volksbeauftragten das Strafverfahren gegen den Rektor Rochi in Koerner wegen Sittlichkeitsvergehen an Mädchen niedergeschlagen. Solche willkürlichen Eingriffe in das Strafverfahren schaffen eine vollständige Rechtsunsicherheit und verstoßen gegen die Reichsverfassung, nach welcher kein Bürger, seinem ordentlichen Richter entzogen werden darf. Ist die Reichsregierung bereit, dafür Sorge zu tragen, daß auch im Volksstaate Gotha Verfassung und Gesetz respektiert werden?

Die kirchliche Einigung Thüringens

und die Vorlagen für die Thüringer Landessynode behandelt ein im weimarischen Pfarrerverein gehaltener und jetzt im Druck erschienener Vortrag von D. R. Arper (Eisenach). Er beschäftigt sich mit der Thüringer Vorsynode und ihrem Vorstand, mit der Thüringer Synode und den Vorlagen für dieselbe und nimmt zu der neben dem Kirchenvorstand vorgesehenen Kirchgemeindevertretung, zur Wahl der Superintendenten, um Pfarrwahlrecht, zu der Frage Landeskirchenrat und Synode und anderen Einzelpunkten der Vorlagen kritisch Stellung.

Quelle:

Thüringer Tageszeitung vom 29.11.1919

 

Bild:

https://de.wikipedia.org/wiki/Coburg#/media/Datei:Coburger_Mohr_im_Ziergitter_der_Rathaustür.jpg