100 Jahre Thüringen
Staatskanzlei Thüringen Weimarer Republik e.V. Forschungsstelle Weimarer Republik an der Uni-Jena

Moderne in der Provinz: Das Beispiel Thüringen

Internationale Automobilausstellung1925 (© Bundesarchiv, Bild 102-02041, Foto: Georg Pahl)

Vor 100 Jahren erlebte unser Land tiefgreifende Veränderungen. Der Erste Weltkrieg fand ein Ende, im Zuge der Novemberrevolution dankten Kaiser, Könige und Fürsten ab. Erstmals durften Frauen wählen. Die Nationalversammlung erarbeitete in Weimar eine neue Verfassung, in der das Volk den obersten Souverän bildete, die jedem Bürger Grundrechte zusprach und den deutschen Sozialstaat begründete. Die Jahre ab 1918 markieren mit vollem Recht eine Zeitenwende in der deutschen Geschichte.
Viel Unsicherheit herrschte damals, auch Gewalt und wirtschaftliche Not. Zugleich jedoch verspürten viele Menschen eine große Aufbruchstimmung: Die Begrenzungen des Kaiserreichs waren gefallen, es gab plötzlich ungeahnte Freiheiten und Möglichkeiten. Erfindungen brachen sich Bahn, technische Neuerungen veränderten das Leben der Menschen. Und die Kultur blühte auf allen Gebieten. Noch heute profitieren wir von der damaligen Innovationskraft, vom Mut einzelner Menschen, die Neues wagten unter schwierigen Bedingungen.
Dieser Aufbruch in die Moderne fand nicht nur in den Metropolen statt. Natürlich war er dort, vor allem in Berlin, in besonderer Weise spürbar. Aber auch in der Provinz gab es tiefgreifende Veränderungen - zum Beispiel in Thüringen, dessen politische Einheit vor 100 Jahren aus dem Zusammenschluss von sieben Kleinstaaten erwuchs. Auch in dieser Region gab es Menschen, die mutig Neues versuchten, die mit großer Begeisterung eine bessere Zukunft bauen wollten. Sie hatten freilich mit Widerständen zu kämpfen. Letztlich wurde der Aufbruch in die Moderne von der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten abgelöst und zugleich in verbrecherische Bahnen gelenkt. Diese Ambivalenz schwingt immer mit, wenn die Zeit vor 100 Jahren betrachtet wird. Aber die Dunkelheit der NS-Zeit sollte die Helle des Aufbruchs nach 1918 nicht vollständig verdecken.
Die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und der Weimarer Republik e.V. haben gemeinsam das Projekt "Moderne in der Provinz" ins Leben gerufen, um diesen Aufbruch zu zeigen - nicht im großen Ganzen der Weimarer Republik, sondern ganz konkret vor Ort in Thüringen, in Gotha und Jena, in Nordhausen und in Eisenach. Weitere Standorte werden folgen. Überall werden Spuren sichtbar, die Menschen vor 100 Jahren gelegt haben und die noch heute Bedeutung für uns besitzen. Dass sie gefunden und aufbereitet werden, liegt an der breiten Unterstützung von Schulen, Vereinen, Archiven und Initiativen. Ihre Unterstützung macht dieses Projekt erst möglich.

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